Automotive Smart Sensing & Connectivity Technology Trends & Vision

Myestro Will Mit Dem Safety Belt Die Vision Vom Autonomen Fahren Verwirklichen

EV Race track

Editor’s note: To read the English version of this article click here.

Autonomes Fahren kommt. Tatsächlich haben wir seit dem Hype welchen selbstfahrende Autos auf der CES im Januar 2015 kreiert haben allerdings nur wenig wirklich befriedigende Fahrzeuge gesehen. Google lässt seine drolligen Autos zwar schon fahrerlos durch das Silicon Valley fahren, jedoch sind trotz wenig rasanter 40km/h Höchstgeschwindigkeit bereits kleine Unfälle vorgekommen. Tesla hat mit dem Software-Update 7.0 seine intelligente Cruise Control erweitert und dem Model S die Fähigkeit auf Highways selbst zu lenken beigebracht. Beeindruckend, aber nur empfehlenswert für Autobahnen, Geschwindigkeiten bis 110km/h und mit beiden Händen nahe am Lenkrad, um im Notfall eingreifen zu können.

Tesla Model S Software 7.0
Tesla hat die “Auto-Pilot” Erweiterung an Model S Besitzer per Software-Update gesendet (Blid: Tesla)

Der eigentliche Traum vom autonomen Fahren sieht jedoch anders aus. Fahrer wollen umgestresst und zügig Reisen, ohne für die Strecke Berlin-München (ca. 580km) 12 Stunden einzuplanen oder alternativ einen Herzinfarkt zu bekommen wenn sie ab und an eingreifen müssen.

Was fehlt um die Vision vom selbstfahrenden Auto näher an die Realität zu bringen? Autos müssen besser sehen und reagieren können. Hierfür sind intelligente Sensoren und Kamerasysteme notwendig welche das gesamte Umfeld des Fahrzeuges überwachen können.

An einer solchen Lösung arbeitet die Myestro Interactive GmbH. Das Karlsruher Technologie Unternehmen entwickelt auf der Basis der 6D-Stereo Technologie Produkte für unterschiedliche Märkte von Industrie über Consumer bis hin zu Automotive. Diese 6D-Stereo Software ist z.B. Kern der Industriekamera mvBlueSIRIUS von Matrix Vision, die durch RubberStereo auch selbstkalibrierend ist. Außerdem konnten bereits erste Gestensteuerungen AirPointr am Markt platziert werden, die mit nur einem Kamerakopf nicht die Hand als solche erkennen müssen, so dass Monitore hinter Schaufenstern oder auch Stelen mit belegter Hand gesteuert werden können. Basierend auf 30 Jahren an Erfahrung u. a. mit dem autonomen Fahrzeug für das Prometheus Projekt ermöglicht die 6D-Stereo Technologie in Verbindung mit RubberStereo die patentierte Verkettung von Stereokameras zur Rundumsicht von 0-50m.

Mit der Unterstützung von EBV Elektronik arbeiten die Experten von Myestro nun an “Safety Belt”, einem kamerabasierten Umfeld-Sensor-System für autonome Fahrzeuge. Wir haben mit Dr.-Ing. Jens Schick, CTO bei Myestro, und Frank-Steffen Russ, Director Vertical Segment Automotive bei EBV gesprochen um Einblicke in das Projekt zu erhalten.

Automotive Segment
Frank-Steffen Russ ist Director Vertical Segment Automotive bei EBV Elektronik

Kann man in einem Satz beschreiben für was Safety Belt steht?

Frank-Steffen Russ: Safety Belt steht für den Ansatz, intelligente autonome Kameras zu einem Umfeld-Sensor-System für die Anwendung im voll autonomen Fahrzeug zu vernetzen.

Was ist das Ziel von Safety Belt?

Jens Schick: Es gibt keine Zweifel, autonome Systeme benötigen Umfeld-Sensoren. Neben Radar, Lidar und Fahrzeug-zu-Umfeld-Kommunikation, spielen Kamerasysteme eine Hauptrolle in der Ausrüstung von autonomen Fahrzeugen. Schaut man in die Zukunft, dann sieht man recht bald voll autonome (Roboter-) Fahrzeuge in Serie. Geht man nun den Weg weiter mit Kamerasystemen muss man sich die Frage stellen in wie weit sind diese funktional sicher und redundant aufgebaut? Welchen Ansatz muss man wählen um ein Kamera basiertes Umfeld-Sensor-System funktional sicher zu gestalten? Welche kognitive Intelligenz kann integriert werden? Das Projekt Safety Belt hat zum Ziel auf diese Fragen nicht nur Antworten sondern auch Lösungen bereitzustellen.

Dr.-Ing. Jens Schick, CTO bei Myestro
Dr.-Ing. Jens Schick ist CTO bei Myestro

Ok – nach unserem Verständnis gibt es bereits funktional sichere Advanced Driver Assistance Systeme (ADAS). Was ist speziell an Safety Belt?

Jens Schick: Funktionale Sicherheit orientiert sich immer an den Anforderungen und dem Stand der Technologie. Bei Myestro und den Partnern im Projekt haben wir das Know-How auf die nächste Ebene im Bereich der Umfeld-Sensorik zu gehen. Typischerweise wird die Intelligenz heute im ADAS-Hauptrechner oder der Sensorfusionseinheit platziert. Safety Belt verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Hier liefern die Bildsensoren bereits vorprozessierte Umfeld-Kenndaten. Dies ist redundant nur möglich indem die Sensoren miteinander zu einem Ring oder als Belt (Gürtel) um das Fahrzeug gelegt untereinander vernetzt arbeiten. Der einzelne Sensor kann mittels patentierter ‚Rubber Stereo‘ Technologie zu einem redundantem Gesamtsystem ausgebaut werden. Der ADAS-Zentralrechner wird dabei massiv entlastet da der nun entstandene Umfeld-Sensor bereits  die notwendigen Daten in Echtzeit und bereits Automotive Safety Integrity Level D (ASIL-D) fähig liefert.

Wie kann man sich den Einsatz von Safety Belt in der Praxis vorstellen?

Frank-Steffen Russ: Die Technologie lässt sich für jeden Einsatz bzw. jede Maschine welche eine entsprechende Umfeldauswertung benötigt portieren. Im Bereich der erweiterten Mobilität bzw. autonomer Fahrzeuge und Maschinen bringt der Ansatz einen Gewinn an Sicherheit und freier Skalierbarkeit. Beispiel: Im Bereich der Nutzfahrzeuge, mit Zugmaschine und Anhänger, kann ein entsprechender Ansatz eine deutliche Optimierung der Umfeld-Sensorik und Verbesserung der Schnittstellen bringen, da Zugmaschine und Aufleger unabhängig voneinander die entsprechende Information gewinnen und an die Zentraleinheit liefern oder zu einem Gesamtverbund zusammengeschaltet werden können.

Was ist die Rolle der EBV im Projekt?

Frank-Steffen Russ: Das Projekt hat zum Ziel eine konkrete Anwendung zu untersuchen und mit Hardware auszustatten. Die entsprechende Hardware wird von unserer Seite unterstützt. Darüber hinaus helfen wir mit unserem Partnernetzwerk den Ansatz zeitnah für eine Vielzahl unserer Kunden zugänglich zu machen. 

Was sind die nächsten Schritte im Projekt?

Jens Schick: Der Projektumfang ist in groben Zügen definiert. Aktuell untersuchen wir für welche Applikation sich eine initiale Anwendung am geeignetsten umsetzen lässt. Denkbar wären ja neben PKW und Nutzfahrzeugen auch Transportmaschinen aller Art. Da sich die derzeitige Definition der Umfeld-Sensorik wie vorher beschrieben doch vom Projektansatz Safety Belt unterscheidet ist eine Umsetzung eben nur eng mit den potentiellen Anwendern aus den verschieden Bereichen möglich. Derzeit führen wir noch Gespräche mit der Industrie um den ‚Best Usecase‘ zu definieren.

Für weitere Informationen und Support kontaktieren Sie gerne EBV direkt hier oder klicken Sie hier, um unsere Automotive Website zu besuchen.

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